Bericht zum Vortrag zum Thema "Bauen" am Samstag, 25. April 2009 in Leutkirch

„Wem gehört die Stadt?“, so lautete der Titel des Vortrags über öffentliches Bauen von Architekt Lutz Schleich, zu dem das Bürgerforum Abel in den Bocksaal geladen hatte. Gleich drei Tage weilte der renommierte Gast aus dem hohen Norden in der Stadt und hatte sich zuvor auf einem Rundgang mit dem ehemaligen Baubürgermeister Zimmer ein Bild von der hiesigen Situation gemacht.

Die Zuhörer mussten nicht lange auf die Antwort warten, denn gleich zu Beginn stellte der mehrfach preisgekrönte Architekt, Stadtplaner und Hochschuldozent klar: „Die Stadt gehört den Bürgern.“ Da dies bei der Umsetzung städtischen Bauens von Behörden und Planern leider allzu oft vergessen werde, plädierte er für „öffentliches Bauen“. Am Beispiel seiner Heimatstadt Hannover zeigte Schleich, wie die öffentliche Diskussion die Akzeptanz erhöht und andersherum diese mindert, wo eine Diskussion unterbleibt. „Architektur ist Dienst am Gemeinwohl, sollte konsensstiftend und sinnstiftend sein“, so Schleich. Leider sei sie dies nicht immer. Die Gründe hierfür liegen seiner Ansicht nach in der Art und Weise, wie die baulichen Entscheidungen getroffen werden – nämlich ohne direkten Einfluss der Bewohner. Oft entschieden zwar gewählte, aber nicht kompetente und nicht neutrale Volksvertreter.

Als einen Ausweg aus diesem Dilemma plädierte er für Architekturwettbewerbe. So erhalte man die beste, nicht die erstbeste Lösung. Zudem führten Wettbewerbe wegen der größeren Akzeptanz meist auch zu einer zügigeren Durchführung der Bauvorhaben. Dass dabei auch im Durchschnitt um sechs Prozent günstiger gebaut werde als geplant, sei ein weiteres Argument für städtebauliche Wettbewerbe. Übrigens: Von den in Leutkirch für das Bauen Verantwortlichen hatte am Samstagabend keiner den Weg in den Bocksaal gefunden; dafür aber Vertreter aus verschiedenen Gemeinderatsfraktionen.

Leutkirch sei in der glücklichen Situation, dass vieles noch erhalten geblieben sei, lobte Lutz Schleich. Er fühle sich hier wohl, wenngleich er auch zu Beginn zugab, das erste Mal das Allgäu zu besuchen. Lediglich die Bahnhofsarkaden nannte er „architektonisch unverdaulich“. Mit dem 2400 Jahre alten Zitat von Perikles „Wer an den Dingen seiner Stadt keinen Anteil nimmt, ist nicht ein stiller Bürger, sondern ein schlechter“, schloss er seinen nicht immer ganz leicht zu verfolgenden Vortrag.

Auch in der anschließenden Diskussion wurden die fehlenden Einflussmöglichkeiten der Bevölkerung bemängelt. Stadtrat Burkhard Zorn nannte die Abstimmungen in den Ortschaftsräten ein geeignetes Instrumentarium, bemängelte aber, dass ein entsprechendes Instrumentarium in der Stadt fehle. Gestaltungsbeiräte und ein Stadtdialog sind laut Schleich weitere Möglichkeiten für die Einbeziehung der Bürger. Schleich, der besonders die freundliche Aufnahme hier lobte: „Ich schätze die ehrbare Zurückhaltung der hiesigen Bewohner, habe aber auch das Gefühl, man verkauft sich hier unter Wert.“ Für eine weitere Zusammenarbeit stehe er gerne zur Verfügung.