Bei der Veranstaltung "Zukunftsfähige Schulen in Leutkirch?" des Bürgerforums Abel haben die Referenten Ottmar Rupp, Inge Blust und Hans Hellmann Bedenken zur Einführung der Werkrealschule (WRS) in Leutkirch geäußert. Sie sei nicht das beste System, die Hauptschulen vor der Schließung zu retten.
Ottmar Rupp, Lehrer an der Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule in Waldburg, gab einen Überblick über seine über 20-jährige Erfahrung mit der WRS, die mit der Hauptschule (HS) gekoppelt ist. "Sie sagt von sich, sie stehe für die individuelle Förderung der Schüler und für eine starke Verzahnung mit der Berufsfachschule", erklärte Rupp den Anwesenden. Seine Erfahrung zeige jedoch, dass nicht die Bildung der Kinder, sondern der Wechsel der Schulart gestärkt würde. In den Klassen sechs und sieben würden Kompetenzanalysen durchgeführt, bei denen sich bereits zeigen soll, welcher Beruf für den jeweiligen Schüler in Frage komme. "Eine derartige Analyse bei 13-Jährigen ist zu früh. Sogar die Industrie- und Handelskammer lehnt die Analysen ab und bestätigt, dass die Werkrealschule nicht mit dem mittleren Bildungsabschluss gleichzusetzen ist", sagte Rupp, der vom System der Werkrealschule nicht viel hält. "Auch diese Schulart wird am Trend der rückfälligen Geburtenzahlen nichts ändern." Seine Forderungen waren unter anderem: individuelle Förderung durch Sonderschulpädagogen und Schulsozialarbeiter vor Ort; soziale Integration als Schwerpunkt aller Schulen; Förderung in der Klasse durch andere Schüler.
Inge Blust, Lehrerin an der GHS Gebrazhofen, zeigte auf, wie stark der Rückgang der Schülerzahlen ist. Ihr Appell an die Gemeinderäte lautete: "Treffen Sie keine vorschnelle Entscheidung. Hauptschulen sind schneller geschlossen als wieder geöffnet." Hans Hellmann, Schulleiter der Hauptschule am Oberen Graben Leutkirch, machte klar, dass momentan niemand ein Allheilmittel kenne. "Wir befinden uns in einem Meinungsfindungsprozess, der sich täglich ändert, weil auch von Stuttgart täglich neue Vorgaben kommen", erklärte er und zeigte auf, was gegen Hauptschulschließungen spreche.
In einer Diskussion fragten Bürger konkret nach der Umsetzung der Vorschläge. Für Hans Hellmann stellt das System der Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein eine Alternative zum dreigliedrigen Schulsystem dar. "Die Politiker haben hier nicht parteiisch, sondern nach bestem Gewissen für ihre Kommunen entschieden. Wir müssen lediglich für einen Strukturwechsel bereit sein."
Einige Bürger sprachen sich für den Erhalt der HS in der Region aus. "Ich finde, die Qualität der Hauptschulen gut. Das Problem ist doch wohl eher der starke Geburtenrückgang, der die Diskussion zu Schulschließungen mit sich bringt", sagte eine Bürgerin. Auf die Frage, ob der Gemeinderat eigene Konzepte machen könne, um die Schulstruktur in der Kommune selbst zu bestimmen, nannte Ottmar Rupp Beispiele. So haben einige Kommunen Privatschulen eingeführt, weil sie ihre eigenen Vorstellungen nur so zu realisieren sahen.
Auch der Appell, einen Kompromiss zu finden und die Schüler kleiner Gemeinden bis zur siebten Klasse in die Hauptschule vor Ort gehen zu lassen, um erst ab der achten Klasse in die nächste Werkrealschule zu wechseln, kam aus den Reihen der Bürger.