(LEUTKIRCH/Schwäbische Zeitung)
Jetzt ist das Thema Klenk AG in Leutkirch endgültig Vergangenheit: Die Stadt Leutkirch hat für 1,8 Millionen Euro die Muna Urlau gekauft. Im Mai/Juni wird die Stadt den Bau eines Ferienparks europaweit ausschreiben, damit die Fördergelder des Landes in Höhe von bis zu sieben Millionen Euro fließen können. Klar ist trotz der neuen Strategie: Center Parcs wird eine Bewerbung abgeben.
Von unserem Redakteur Christian Klose
Plötzlich sind die Vorzeichen andere: Nicht mehr der französisch-niederländische Ferienkonzern Center Parcs gibt in nächster Zeit den Takt vor, sondern die Stadt Leutkirch beziehungsweise die Europäische Union (EU). "Die Problematik war, dass als Empfänger der Landes-Fördermittel nur die Stadt Leutkirch in Frage kommt. Wir wiederum dürfen jedoch nicht die Fördermittel direkt an ein Unternehmen weitergeben. Wir müssen deshalb die Projektidee europaweit ausschreiben, damit auch andere Interessenten die Chance erhalten, das Projekt umzusetzen", erklärt Leutkirchs Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle.
Im Mai oder Juni wird die Ausschreibung im Amtsblatt der Europäischen Kommission erscheinen, derzeit wird diese von der Stadt Leutkirch vorbereitet. Die Ausschreibung wird "neutral" und "ergebnisoffen" formuliert, was im Klartext heißt, dass auch andere Ferienkonzerne ihre Bewerbung für die Muna Urlau abgeben können. OB Henle betont dabei aber: "Die Ausschreibung wird aber gewisse Rahmenbedingungen beinhalten, die dem Bürgerbegehren angelehnt sind. Es wird also kein Europapark Rust oder auch kein Legoland auf der Muna entstehen können."
Vielmehr werde in der Ausschreibung festgelegt, dass es ein ganzjähriger Ferienpark sein muss, der zwischen 600 000 und einer Million Übernachtungen vorsieht. Einen Monat lang wird die Ausschreibung im Europäischen Amtsblatt veröffentlicht, insgesamt haben die möglichen Bewerber rund drei Monate Zeit, ihre Bewerbung bei der Stadt Leutkirch einzureichen. "Das ganze Vergabeverfahren wird - wenn es keine Probleme gibt - schon ein halbes Jahr dauern", schätzt Bürgermeister Martin Bendel.
Center Parcs, die den Stein eines Ferienparks im Allgäu ins Rollen brachten, ist mit dem neuen Prozedere einverstanden und damit, dass der Konzern nun nur noch einer der möglichen Bewerber ist. Beim aktuellen Park in Moselle in Frankreich wurde das gleiche Verfahren angewandt. Damals war Center Parcs der einzige Bewerber. "Das ist keine einmalige Vorgehensweise", so Henle weiter.
"Anwälte und Ministerien haben sich lange Gedanken gemacht, wir man das Projekt am besten europakonform einbringen kann. Alle Fachleute haben dann diesen Weg als den rechtssichersten Weg beschrieben, um an die Fördermittel zu kommen - auch wenn sich das ganze Projekt nun um mindestens ein halbes Jahr verzögert", sagt Bürgermeister Bendel.
Am 1. März hatte der Leutkircher Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung einstimmig der Verwaltung grünes Licht gegeben, die Muna Urlau von der Klenk AG und der BIMA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) zu kaufen. Finanzbürgermeister Bendel hat die Kaufverträge unterzeichnet. Im März war der Optionskaufvertrag für das Grundstück zwischen Center Parcs und der Klenk AG abgelaufen, so dass nun eine Entscheidung fallen musste. Die Stadt Leutkirch hat dann diesen Optionsvertrag genutzt. OB Henle: "Es war Wille des Gemeinderats, dass wir das Grundstück in die Hand nehmen."