Abel fühlt OB-Kandidaten auf den Zahn, Schwäbische Zeitung (20.06.08)

Voll besetzt ist der Bocksaal am Mittwoch gewesen. Das Bürger FORUM Abel hatte zur Podiumsdiskussion mit den drei OB-Kandidaten eingeladen. Trotz Fußball-EM und schönen Sommerabendwetters kamen rund 200 Interessierte. Themen waren unter anderem Klenk, Wirtschaft, Verkehr und Bürgerbeteiligung.

Mit zuvor unter den Mitgliedern gesammelten Fragen fühlten die Moderatoren Hubert Moosmayer und Heinz Brünz den OB-Kandidaten Hans-Jörg Henle, Dr. Thomas Heß und Manuel Trautwein auf den Zahn. Die Themenkomplexe Familie, Bildung, Soziales und Umwelt wurden dabei ausgeklammert, da diese bei anderen Veranstaltungen im Mittelpunkt standen beziehungsweise stehen werden. Die Kandidaten hatten sich dazu in Schale geschmissen; Henle und Trautwein trugen dunkle Anzüge, Heß ein helles Sakko und Jeans.

Budget für die Ortschaften

Bürgerbeteiligung war das erste große Thema. "Wenn Projekte da sind, ganz offen informieren und die Betroffenen zu Beteiligten machen" will Henle als OB, denn "um gute Lösungen muss man streiten". Er will dabei auch die Ortschaften einbeziehen, deren Räten er ein eigenes Budget geben möchte, "damit sie gestalten können".

Heß schwebt neben einer Bürgersprechstunde ein "Bürgertisch" vor, an dem sich auch Gruppierungen treffen und ihre Fragen an OB und die zuständigen Gremien stellen können. "Anwalt seiner Bürger" will Trautwein sein. "Es bringt nichts, nur neue Gremien einzuführen", meint er, "man muss direkt mit den Betroffenen reden".

Anschließend ging es um Wirtschaftsförderung. Heß sieht für Leutkirch die Chance, Schwerindustrie vom See ins Allgäu zu holen. "Sie will expandieren und sucht Ersatzstandorte", berichtete er. "Aber nur wer Arbeits- und Ausbildungsplätze mitbringt, ist interessant", stellte er klar und: "Viele Kleine bringen mehr als ein ganz Großer."

"Wirtschaftsförderung ist in erster Linie Bestandspflege", sagte Henle und scherzte, es gebe in Baden-Württemberg mehr Wirtschaftsförderer als ansiedlungswillige Unternehmen. "Zufriedene Unternehmer sind die besten Standortbotschafter."

"Eine nachhaltige Wirtschaftsförderung ist nur sinnvoll, wenn ein Gesamtkonzept steht, in das neue Unternehmen auch passen", erklärte Trautwein, der ein solches zu schaffen als erste Aufgabe von Verwaltung und Gemeinderat sieht. Seine Vision von Leutkirch ist die einer "Tagungs- und Bildungsstadt".

Die geplante Ansiedlung des Holzkompetenzzentrums auf dem ehemaligen Muna-Gelände stand bei der Diskussion natürlich ebenfalls auf der Tagesordnung. Der Bürger habe klar entschieden, betonte Henle, nun gelte es, den städtebaulichen Vertrag zwischen Stadt und Klenk AG so zu gestalten, dass es hinterher keine bösen Überraschungen gebe. Die Stadt müsse stets Herr des Verfahrens bleiben, sagte Henle. Auch wenn er das Amt im Falle seiner Wahl erst am 1. September antritt, würde er sich schon vorher informell in die Verhandlungen einschalten, versprach er. Zudem dürfe man "die Menschen nicht alleine lassen". Henle warb erneut um den Bau einer Südtangente, um den Verkehr frühzeitg abzufangen und um Wohngebiete herumzuführen. "Dabei sollten wir aber nicht auf das Land warten, sondern die Sache selbst in die Hand nehmen".

Heß bezweifelt Klenk-Ansiedlung

Heß bezweifelt, dass Klenk überhaupt noch Interesse an Leutkirch hat. Der US-Markt sei zusammengebrochen, eine große Investition sieht Heß daher jetzt als "Selbstmord" an. Wenn dem so sei, gelte es einen Neuanfang zu machen, die "zerstrittenen Seiten wieder zu versöhnen" und zu prüfen, ob das Gelände anderweitig mit den bestehenden Objekten sinnvoll genutzt werden könnte.

"Wenn Klenk die Drei-Jahres-Frist verstreichen lässt, ist alles wieder offen", meinte Henle dazu, mochte darüber aber nicht weiter spekulieren. "Ich habe für diesen Fall kein Konzept. Ich kenne das Gelände nicht, habe bisher nur am Zaun gestanden." Trautwein wurde zu diesem Thema nicht befragt.

Letztes großes Thema war die Innenstadtgestaltung samt Verkehrssituation. Heß plädierte für mehr Pflanzen und Sitzgruppen und meinte, es sei "sicher sinnvoll, die beiden kleinen Fußgängerzonen miteinander zu verbinden". Man sollte die Innenstadt vom Verkehr frei bekommen und den ansässigen Gewerbetreiben die "wahrscheinlich unbegründete Angst" davor nehmen.

Ähnlich denkt Henle. Es sei wichtig die Fußgängerzone auszuweiten. Er könnte es sich vorstellen, dass man zum Einen mit Anwohnern und Gewerbetreibenden gelungene Projekte in anderen Städten ansehe und zum Anderen eine Fußgängerzone für ein halbes Jahr probeweise installiere.

Auch diesmal erhielt Trautwein nicht das Wort. In ihren Schlussworten durften die Kandidaten nochmals für sich werben. Trautwein erklärte: "Ich liebe die Menschen hier, so eigen sie auch sind, weil ich eben auch einer von hier bin." Leutkirch sei zu schade dafür, dass "Bewerber hierher kommen, sich Denkmale setzen und dann wieder weggehen, während wir die Folgen zu tragen haben." Henle betonte, er möchte für mindestens 16 Jahre in Leutkirch bleiben (also für zwei Wahlperioden, d. Red.). "Meine Familie und ich suchen hier eine neue Heimat." Eine Parteikarriere habe er nicht im Sinn, dazu fehle ihm schon das Parteibuch. "Wählen Sie mich erst einmal für acht Jahre", sagte Heß, "dann sehen wir weiter. Wenn Sie mich dann noch wollen, stehe ich gerne zur Verfügung."