„Wichtig sind die Ideen, die wir einbringen können“ - Kandidatenvorstellung Herlazhofen(28.05.09)

Auch für den Ortschaftsrat Herlazhofen tritt das Bürgerforum Abel mit einer eigenen Liste an. Die Kandidaten stellten sich am Donnerstag im Gasthaus Halde vor. Im bis auf den letzten Platz gefüllten  Nebenraum kam richtige Wahlkampfstimmung auf. Die Diskussionen endeten erst kurz vor Mitternacht. Zu Beginn fasste Klaus Wellmann, der sowohl für den Gemeinderat als auch für den Ortschaftsrat kandidiert, zusammen, warum das Bürgerforum überhaupt entstanden ist. In der für Leutkirch richtungsweisenden  Frage des „Industriegebiets Süd“ habe kein Gemeinderat gegen die Ausweisung der Muna als Industriegebiet gestimmt, wohl aber fast vierzig Prozent der Wähler beim Bürgerentscheid. Diesen Bürgern wolle man im neuen Gemeinderat eine Stimme geben. In Urlau und Herlazhofen hätten sogar zwei Drittel gegen Klenk gestimmt, aber niemand im Ortschaftsrat. „ Da hat wohl die Parteidisziplin eine große Rolle gespielt, kein Vertreter Herlazhofens hat Rückgrat gezeigt“, kommentierte Wellmann in seiner Einführung. Deshalb wolle man den Wählern im Wahlbezirk Herlazhofen eine Alternative anbieten, die die Bürger vertreten kann, ohne an die Interessen einer Partei gebunden zu sein.

Nach der Kandidatenvorstellung präsentierte Hubert Moosmayer den Besuchern das Wahlprogramm des Bürgerforums mit den Themen Wirtschaft, Energie, Jugend und Familie, Verkehr, Freizeit, Bauen, Kultur sowie Landschaftsschutz vor. Worüber er sich besonders  geärgert habe, so Moosmayer, sei ein Leserbrief gewesen, in dem sich der Verfasser wunderte, warum sich so viele Leute über ein Industriegebiet Süd aufregen würden, so schön sei Leutkirch doch gar nicht. Dem widersprach Moosmayer energisch: „Leutkirch hat was. Angefangen von der schönen Altstadt über die Löwenzahnwiesen bis hin zu Schmidsfelden und der Adelegg“.

In der Fragerunde ergänzte Heinz Brünz, dass sich die Stadt ein Ziel setzen müsse, wo sie hin will, ob sie ökologisch und touristisch oder eine Industriestadt werden wolle. „Das ist die entscheidende Frage, die alle Bürger zusammen beantworten müssen“, so Brünz.

Eine rege Diskussion entwickelte sich um das Thema Windenergie. Hier stellten die Kandidaten des Bürgerforums klar, dass grundsätzlich alle Möglichkeiten der regenerativen Energieerzeugung genutzt werden müssen um das Ziel der Energieautarkie zu erreichen. Windkrafträder würden für sie nur dann in Frage kommen , wenn die erforderliche Jahresdurchschnittswindgeschwindigkeit erreicht werden kann und eine Mehrheit der Bürger diese Anlagen auch mitträgt. Entscheidend sei es, die Bürger von Anfang an an dem Prozess zu beteiligen. „Es ist wichtig, dass die Bürger von eventuellen Anlagen profitieren können, z.B. durch eine Energiegenossenschaft, und nicht ein Großinvestor von außerhalb“, merkte Wolfgang Halder, Kandidat des BürgerForum Abel an. Nur dann wäre die Akzeptanz vorhanden. In diesem Zusammenhang bedauerte Alfons Notz, dass sich der Gemeinderat erst kürzlich auf 20 Jahre mit dem Stromnetz an die EnBW gebunden habe, so dass die Durchleitungsgebühren solcher Projekte nicht in die eigene Kasse gehen können. So eine Entscheidung hätte das Bürgerforum niemals mitgetragen.

Ein Schwerpunkt der anschließenden Diskussion war das Thema Schulen. Man war sich einig, dass die zukünftige Werkrealschule, die von der Landesregierung vorgegeben wird, das Aus für die Hauptschulen auf dem Land bedeuten könne. Eine Mutter beklagte, dass die Herlazhofer Schulkinder so lange Bus fahren müssen, bis sie in Willerazhofen sind. Hier war Klaus Wellmann der Meinung, dass dieses Thema unbedingt in den Lenkungsgruppen zur Umgestaltung der Leutkircher Schullandschaft aufgegriffen werden müsse. Durch den Rückgang der Kinderzahl besteht die Gefahr, dass einige Grundschulen zusammen gelegt werden könnten. Dadurch würde sich eventuell die Möglichkeit ergeben, dass die Herlazhofer Kinder zukünftig in die Grundschule am Adenauerplatz gehen könnten. Wellmann regte aber an, bei den jetzigen Kindergarteneltern in Herlazhofen eine Umfrage zu machen, ob sie lieber den kürzeren Schulweg nach Leutkirch favorisieren oder den Vorteil einer ruhigeren Landschule. Der Gemeinderat könne dann dem Wunsch der Eltern entsprechen, wenn nichts Gravierendes dagegen spräche. „Das wäre dann auch ein Beispiel von Bürgerbeteiligung, für die sich das Bürgerforum im neuen Gemeinderat stark machen will“, so Wellmann.

Am Schluss fragte ein Besucher, wie viele Kandidaten das Bürgerforum denn in den Gemeinderat bringen könnte. Hubert Moosmayer antwortete, dass Spekulationen um die Zahl der Kandidaten nicht entscheidend seien. „Wichtig sind die Ideen, die wir im Gemeinderat einbringen können“.